PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Neuregelung RechtsberatungsG



bin-ganz-frisch
14.11.2007, 12:41
http://www.otto-schmidt.de/newsletter/listpoint_aktenzeichen.gif Bundesrat stimmt dem Gesetz zur Neuregelung des Rechtsberatungsgesetzes zu (http://redirect2.mailingwork.de/redirect.php?id=1095427&U=NDA0OTI%3D)

Der Bundesrat hat am 9.11.2007 dem Gesetz zur Neuregelung des Rechtsberatungsgesetzes (RDG) zugestimmt. Nach dem neuen RDG ist es künftig auch Nichtanwälten erlaubt, im Zusammenhang mit einer anderen wirtschaftlichen Tätigkeit juristische Nebenleistungen zu erbringen. Die im Gesetzentwurf der Bundesregierung noch vorgesehene Erweiterung der Zusammenarbeit von Rechtsanwälten mit Angehörigen anderer Berufe ist im Gesetzgebungsverfahren dagegen vorläufig zurückgestellt worden. Das Gesetz wird voraussichtlich am 1.7.2008 in Kraft treten.

Na, DAS ist doch mal eine sinnvolle Reform. Endlich dürfen auch Nichtanwälte Rechtsberatung machen; das war lange überfällig; weil´s ja auch viel zuwenig Anwälte gibt, die Rechtsberatung machen könnten. Sinnvoll auch deswegen, weil die Juristerei ab jetzt viel lustiger wird; ich freue mich schon auf die Anrufe oder Schriftsätze ahnungsbefreiter Werkstätten, Unternehmensberater und ähnlicher Kauze. Eigentlich muss jetzt nur BerH und PKH auf diesen Personenkreis ausgedehnt werden, dann habe ich endlich Zeit für meine Nebengewerbe. Ich betreibe ab sofort nebenbei ein Atomkraftwerk; hab zwar keine Ahnung davon (Physik in der Schule durchgehend Note 5), aber das ist schließlich freie Marktwirtschaft!

Hego
14.11.2007, 18:48
Ahnung von Atomkraftwerken hatte die Familie Hoppenstedt 1978 auch nicht. Und trotzdem gab es zu Weihnachten das Spiel: "Wir bauen uns ein Atomkraftwerk"

juris2112
14.11.2007, 18:56
Ich halte die eingangs verwendeten Polemiken für unangebracht.

Solange die Rechtslage so ist, dass ein ahnungsloser Anwalt alles darf und ein qualifizierter Nichtanwalt nichts, ist die Rechtslage unbefriedigend.

oL
14.11.2007, 21:33
Ich halte die eingangs verwendeten Polemiken für unangebracht.

mir scheinen sie durchaus nicht unangebracht.

denn bedenkt man, dass jahrzehntelang nachhaltig immer wieder betont wurde, dass das rechtsberatungsmonopol einzig dem edlen ziel der sicherung der qualität der rechtsberatung diene, so ist dem neuen gesetz eine andere wahrheit offensichtliche innewohnend: beratung durch nicht volljuristisch ausgebildetet (innerhalb gewisser grenzen) ja, solange nur derjenige daran wirtschaftlich nichts verdient.

die rückwirkende betrachtung könnte einem da fast die vermutung nahe legen, der wirtschaftliche ertrag wäre auch schon vorher stets ein wesentliches interesse des rechtsberatungsmonopols gewesen.

Amun
14.11.2007, 21:43
Was sich der Gesetzgeber bei dieser Neuregelung gedacht hat kann ich eigentlich nicht wirklich nachvollziehen. Diese "juristischen" Schriftsätze würde ich gerne mal sehen. Schade, dass ich nicht mehr im Dienst bin. Hätte ich wahrscheinlich oft was zum Lachen und zum Weinen.
Im Übrigen: Kann man mir nicht per Gesetz gestatten, Autos zu reparieren? Ich hatte früher einen Stabilbaukasten und war damit sehr geschickt.:teufel:

Zubbel
14.11.2007, 21:51
Solange die Rechtslage so ist, dass ein ahnungsloser Anwalt alles darf und ein qualifizierter Nichtanwalt nichts, ist die Rechtslage unbefriedigend.


Leider haben ja Ahnungslose dann u.a. auch Verbraucherberatungsmagazine und Verbrauchersendungen mit Verboten überzogen, weil ja angebliche Rechtsberatung nach der bisherigen Regelung nur RAe und zugelassenen Personen zustand.
Dieser Zustand war nicht gut.

Ob die Neuregelung soviel Verbesserung bringt? Ich mag es bezweifeln....vielleicht nehmen die "Unterlassung-mit Abmahnungsvegütung-versehenen-Verfügungen" dann ab.

Amun
14.11.2007, 22:00
Vor allem stellt sich doch auch die Frage - unabhängig davon ob Verbesserung(die ich nicht sehe) oder nicht - warum das Ganze? In Deutschland gibt es Anwälte ohne Ende und zwar soviele, dass ein nicht geringer Teil mit dem Einkommen was erzielt wird überhaupt nicht mehr über den Monat kommt. Vor einigen Jahren hat schon einmal das böse Wort vom Anwaltsproletariat die Runde gemacht. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass das jetzt besser geworden ist. Meiner Ansicht gibt es überhaupt keinen Bedarf für solch eine Erweiterung des Gesetzes.

13
14.11.2007, 22:25
...womit wir dann wieder bei der "Qualität" unserer Gesetzgebung wären... :sagnix:

Amun
14.11.2007, 22:29
@13.....und das kommt noch erschwerend hinzu.

TL
15.11.2007, 07:14
Das noch aus Nazi-Zeiten stammende Gesetz ist aus meiner Sicht endlich an die Wirklichkeit angepasst worden.


Liebe Anwälte,

es geht doch nicht darum, daß die KfZ-Werkstatt jetzt auf einmal eine Klageschrift erstellt oder umfassend zum Erbrecht berät. Auch nicht, daß der Makler einen Bauträgervertrag ausarbeitet und die Scheidungsfolgen regelt.

Einzig und allein die zu einer erlaubnisfreien Hauptsache gehörende und zu deren Erfüllung mit benötigte rechtliche Nebentätigkeit ist gestattet.
Ihr könnt euch sicher sein, daß bei entsprechend schwierigen Sachen ohnehin immer schneller der Anwalt eingeschaltet wird.

Die Diskussion also, ob das neue RDG den Anwälten schadet, oder ihnen vielleicht sogar hilft, will ich hier nicht mehr aufwärmen. Die Lockerung des RBerG kommt. Das ist Fakt und im Sinne der EU-Recht-Harmonisierung.

Fakt ist aber leider auch, daß es immer mehr Anwälte gibt, die kaum "über die Runden kommen" und auch solche, die insbesondere in FGG-Sachen und Angelegenheiten des 8.Buchs der ZPO (bzw. auch ZVG) derart grausame Sachen abliefern, daß man sich bzgl. deren Anwaltszulassung schon wundern kann.

Hego
15.11.2007, 07:44
Man könnte doch auch mit den Worten der Politiker sprechen:

Der Markt regelt das.

Meiner Meinung nach gibt es wohl auch (wie in jeden anderen Beruf) bei den Rechtsanwälten welche, die besser Autos reparieren oder sonst was machen sollten als ....

Außerdem werden die "Mandanten", die von einem nicht versierten Berater entsprechend schlecht beraten werden künftig wohl wieder zu den Anwälten zurückkehren.

Angst müssen die Anwälte doch nur vor denjenigen haben, die das besser oder zumindest sehr gut machen. Angst könnten auch die Gerichte haben, die haarsträubenden und unqualifizierten Schriftsätzen entgegensehen müssen. Aber davon habe ich heute auch schon Unmengen (von den bisher einzig Legitimierten). Ich habe oft den Eindruck, dass die Schreiben eher für den eigenen Mandanten als für die Gegenseite geschrieben werden. Daran wird sich wohl kaum etwas ändern.

Annett
15.11.2007, 08:13
Ich denke auch, dass hier nur was legalisiert wird, was sonst unter der Hand sowieso schon gemacht wurde. Formulareausfüllen u.ä. Es geht ja hier nur um die Nebengeschäfte.
Dumme Schriftsätze wird es immer geben. Wenn nicht hätten wir weniger zum schimpfen und das wäre doch auch schade.

bin-ganz-frisch
15.11.2007, 10:25
Nein, diese Konkurrenz fürchten wir wirklich nicht. Gelegentlich hat man ja auch heute mit solchen "Beratern" zu tun, die sich eine rechtsgeschäftliche Vertretungsmacht einräumen lassen und dann für andere (vermeintlich:wechlach:) Rechtssachen erledigen.Und wegen mir soll auch die KFZ-Werkstatt, wenn es als Nebengeschäft erforderlich ist, Schriftsätze verfassen. Herzlich gerne; kann ja nur lustig werden. vermutlich wird sich der Bedarf auch schnell erübrigen, wenn Mdten damit auf die Nase gefallen sind. Ich frage mich bloß, warum das erst passieren muss. Die Berater sind gesetzlich nicht wie die Ras haftpflichtversichert und müssen ihre Kenntnisse niemals nachweisen -warum eigentlich nicht? Eine KFZ-Werkstatt, einen Friseursalon darf nur der Meister führen (es sei denn, er ist EU-Bürger, aber das ist ein anderes Thema). Aber Rechtsberatung als Nebengeschäft darf quasi erstmal jeder?

bjk_rpf
15.11.2007, 12:11
Ironie on Nun ja, wenn er sich damit auskennt, ... Ironie off

Im Übrigen stimme ich TL voll und ganz zu.

Warum ein Friseur "Meister" sein muss, um ein Geschäft zu führen? Ist ein Haarschnitt genauso gefährlich wie das Reparieren der Bremsen eines Kfz? :gruebel:

TL
15.11.2007, 13:33
Eine KFZ-Werkstatt, einen Friseursalon darf nur der Meister führen (es sei denn, er ist EU-Bürger, aber das ist ein anderes Thema). Aber Rechtsberatung als Nebengeschäft darf quasi erstmal jeder?

Genau da ist das Problem. Ich bin auch für die Abschaffung der "Meisterpflicht".

Soll doch jeder mit seinem Können werben und nicht mit seinen Titeln. Der Markt regelt das recht schnell.

Wenn jemand Qualität will, dann muß er (meistens) zu dem gehen, der´s gelernt hat, oder der sich durch dauerhaft hochwertige Arbeit auszeichnet.
Analog zu Rechtsanwälten gilt auch hier: Nicht jeder KFZ-Meister kann gut und schnell alles reparieren.

Erzett
15.11.2007, 13:43
Im Übrigen: Kann man mir nicht per Gesetz gestatten, Autos zu reparieren? Ich hatte früher einen Stabilbaukasten und war damit sehr geschickt.:teufel:
Natürlich darfst du Autos reparieren. Aber bitte deins und nicht meins :teufel:

13
15.11.2007, 15:43
Im Übrigen: Kann man mir nicht per Gesetz gestatten, Autos zu reparieren? Ich hatte früher einen Stabilbaukasten und war damit sehr geschickt.:teufel:
Natürlich darfst du Autos reparieren. Aber bitte deins und nicht meins :teufel:

Amun fühlt sich leicht verkohlt:
Das eigene Rad hat überholt... :D

Schwarzkittel
15.11.2007, 16:08
Frage an alle "rigorosen" Rechtspfleger: Ist ab 01.07.2007 eigentlich damit zu rechnen, dass die als Nebenleistung angebotene Rechtsberatung bestimmter Gewerbetreibender i.S.d RDG gem. § 1 I Nr. 2 BerHG, dann eine andere Möglichkeit für eine Hilfe ist, deren Inanspruchnahme dem Rechtssuchenden zuzumuten ist ?

bin-ganz-frisch
15.11.2007, 16:35
@schwarzkittel: DAS hatte ich ja ganz übersehen! Super! Damit ist Schluss mit BerH! :daumenrau

Diabolo
15.11.2007, 16:36
Bin ich ein rigoroser ?
Falls Ja ( :teufel: ) glaube ich, dass sich hinsichtlich des BerHG keine Auswirkungen ergeben werden. Hier gibt es bereits die anderweitigen Hilfsmöglichkeiten.

Zum Thema: in gewissen Dingen halte ich staatliche Reglementierung für geboten. Auch eine Meisterpflicht. Bsp: Auto und Baugewerbe.

Was das RechtsberatungsG betrifft kann es durchaus spezielisierte Gebiete und Einrichtungen geben, die genauso kundig sind wie ein RA. Aber natürlich bleibt dieser in erster Linie der "Fachmann" für Rechtsfragen und ich denke Ihr müsst euch da auch keine Sorgen machen! Kurz: das wird m.E. keine praktische Konsequenz haben!

Diabolo
15.11.2007, 16:37
@schwarzkittel: DAS hatte ich ja ganz übersehen! Super! Damit ist Schluss mit BerH! :daumenrau

Dann bleibt ja wirklich nur das Atomkraftwerk, nachdem diese luxuriöse Einnahmequelle wegbricht, oder ?

jojo
15.11.2007, 16:57
@TL Beitrag nur 10: Wie hiess das Gesetz: Godwils ?

Naja, ich denke nur, dass vile Mitbürger froh sind, wenn die Werkstatt auch die Schadensregulierung übernimmt und die damit nicht zum Anwalt müssen.

Und ich kriege jetzt schon eine Essen-wieder-durch-den-Hals-geh-Reiz, wenn ich an die "juristischen" Tipss der Agentur für Arbeit, irgendwelcher Selbsthilfegruppen ul.ä. denke....

Da kommen die Leute mit vollkommen falschen Vorstellungen hier an, naja, es ist ja nicht verboten, einen Prozess zu verlieren.

Hego
15.11.2007, 18:47
@TL Beitrag nur 10: Wie hiess das Gesetz: Godwils ?

Naja, ich denke nur, dass vile Mitbürger froh sind, wenn die Werkstatt auch die Schadensregulierung übernimmt und die damit nicht zum Anwalt müssen.

Und ich kriege jetzt schon eine Essen-wieder-durch-den-Hals-geh-Reiz, wenn ich an die "juristischen" Tipss der Agentur für Arbeit, irgendwelcher Selbsthilfegruppen ul.ä. denke....

Da kommen die Leute mit vollkommen falschen Vorstellungen hier an, naja, es ist ja nicht verboten, einen Prozess zu verlieren.


Manchmal sind die Ratschläge von Anwälten aber kaum von denen, die gar keine Ahnung haben zu unterscheiden.

Ich muss mich dann als Drittschuldner dem Schuldner gegenüber rechtfertigen weil ihm der Anwalt Unsinn erzählt hat.

Ich habe mal einem Schuldneranwalt geschrieben, dass ich gerne bereit wäre ihm die gesetzlichen Vorschriften zu erklären, wenn ihm die pfändungsrechtlichen Vorschriften der ZPO nicht bekannt wären. Abschrift an Schuldner und die Personalstelle bei der er sich über mein Tun beschwert hatte. Und.... er hatte tatsächlich nach einigen Wochen angerufen (ich wusste schon gar nicht mehr wer das war bis ich mir die Pfändung angesehen habe),

Dass dieses Telefonat dann möglicherweise unter unzulässige Rechtsberatung hätte fallen können wird mir ja erst durch dieses Thema bewusst:wechlach:

Grisu
15.11.2007, 20:35
@Schwarzkittel: Sooo rigoros wäre ich gar nie nimmer nicht gewesen, aber jetzt, wo Du mich quasi mit der Nase darauf hinschubbst ...

Spaß beiseite: Ich lese hier immer wieder, dass das der Markt schon regeln werde. Das glaube ich nicht. Ein jeder von uns kennt Rechtsanwälte, bei denen man sich fragt, wie die das Examen geschafft haben und wie die jeden Monat über die Runden kommen. Aber sie haltren sich am Leben und reiten jeden Tag einen Mandanten tiefer in die Misere, als der bis dahin drinsteckte.

Bei uns rennt ein (Ex-) Rechtsanwalt herum, dem die Zulassung entzogen wurde. Dennoch sehe ich den jede Woche auf dem Gang, weil er jemanden gefunden hat, den er im Rahmen von "Nachbarschaftshilfe" vertritt.

Wir werden unsere Freunde damit haben, wie Amun schon sagte: mal zum Lachen, mal zum Weinen. Aber die Mandanten dieser Berater werden mir (fast) immer leid tun. Ich erlaube mir insoweit einen bissigen Seitenhieb auf das hier schon einmal zitierte Betreuungsforum: fehlerbehafteter gehts fast nimmer.

Ich will keinem der zukünftigen Rechtsberater prinzpiell die Kompetenz absprechen, aber ich persönlich würde mir nicht vom Werkstattmeister die Haare schneiden und von der Friseurin mein Auto reparieren lassen.

Grisu
15.11.2007, 20:40
Manchmal sind die Ratschläge von Anwälten aber kaum von denen, die gar keine Ahnung haben zu unterscheiden.


Richtig. Wenn sich ein Rechtsanwalt in ein Gebiet vorwagt, das der sprichwörtliche schwarze Fleck auf seiner Landkarte ist, passiert das. Aber einerseits hat er zumindest nachgewiesen, dass er ausreichende Kenntnisse hat(te), um als Anwalt auftreten zu können und andererseits ist er hiergegen versichert.

ketchup
15.11.2007, 21:59
Mal sehen, wann die erste findige Versicherung die Marktlücke entdeckt. :teufel:

bin-ganz-frisch
16.11.2007, 09:44
@schwarzkittel: DAS hatte ich ja ganz übersehen! Super! Damit ist Schluss mit BerH! :daumenrau

Dann bleibt ja wirklich nur das Atomkraftwerk, nachdem diese luxuriöse Einnahmequelle wegbricht, oder ?
:wechlach::wechlach:

Diabolo
19.11.2007, 11:06
@schwarzkittel: DAS hatte ich ja ganz übersehen! Super! Damit ist Schluss mit BerH! :daumenrau

Dann bleibt ja wirklich nur das Atomkraftwerk, nachdem diese luxuriöse Einnahmequelle wegbricht, oder ?
:wechlach::wechlach:


so war es gemeint :wechlach:

bin-ganz-frisch
19.11.2007, 12:10
Nur mal so off topic und bitte, schwarzkittel, das geht nicht gegen DICH, denn ich bin ja auch einer : hab gestern ne Fernsehdoku über Waldtiere gesehen, da wurden die Wildschweine als "schwarzkittel" bezeichnet..

jojo
20.12.2007, 10:06
So, dass REchtsdienstleistungsgesetz stand im BGBL vom 17.12.2007.

Das hat aber eingige Änderungen, die mir so gar nicht gefallen.

Ich werde das mal ausführlich studieren, aber mir scheint, dass beim ArbG eine Vertretung durch natürliche Personen, die nicht zur Familie gehören oder eLP nicht mehr möglich ist :mad:

Moosi
20.12.2007, 13:58
Hallo Diabolo!
Jetzt hast Du ja eine zweite Keule (oder Dreizack?) um Anträge auf Beratungshilfe abzuwehren.

http://www.rechtspflegerforum.de/showthread.php?t=22027

Medicus
09.04.2008, 14:51
So, dass REchtsdienstleistungsgesetz stand im BGBL vom 17.12.2007.

Das hat aber eingige Änderungen, die mir so gar nicht gefallen.

Ich werde das mal ausführlich studieren, aber mir scheint, dass beim ArbG eine Vertretung durch natürliche Personen, die nicht zur Familie gehören oder eLP nicht mehr möglich ist :mad:

Die Modernisierung des Rechtsberatungsgesetzes führt im gerichtlichen Verfahren zu einer Verschärfung der Möglichkeit der Prozessvertretung durch Nicht-Rechtsanwälte. Und das ist gut so! :)

jojo
09.04.2008, 15:02
Nö, finde ich im arbeitsgerichtlichen Verfahren nicht.

1. aufgrund des § 12 a ArbGG und 2. denke ich an die Fälle, wo die Lebensgefährtin mit Vollmacht kommt, weil der Kläger nicht kann, da er eine neue Arbeitstelle angetreten hat (Und rate mal was passiert, wenn der neue Arbeitgeber das Wort Urlaub und Arbeitsgericht auch nur hört)

Knirps
09.04.2008, 16:04
Hallo an alle :)

hab ich das richtig verstanden :gruebel: darf nach diesem neuen Gesetz im Prinzip jeder eine Rechtsberatung erteilen :eek:

Öhem, kleine Nebenfrage, ist vielleicht etwas blöd :oops:: was ist denn dann mit den Gerichten? Bisher durften die ja auch keine Rechtsberatung erteilen! Falls jetzt doch :behaemmeroder hab ich mal wieder was falsch verstanden???

advocatus diaboli
10.04.2008, 12:10
Damit es nicht zu Mißverständnissen kommt: die Neuregelungen gelten größtenteils erst ab 01.07.2008. Siehe Art. 20 Gesetz zur Neuregelung des Rechtsberatungsrechts (letzte Seite im nachstehenden Link).

Link (pdf): http://www.bgblportal.de/BGBL/bgbl1f/bgbl107s2840.pdf

Gegs
12.04.2008, 19:40
Aber sie halten sich am Leben und reiten jeden Tag einen Mandanten tiefer in die Misere, als der bis dahin drinsteckte.

Das mag sein, aber sie haben wenigsten zwangsweise eine sogenannte Vermögensschadenshaftpflicht zu unterhalten. Die kann man von Werkstattmeister und Architekt nicht behaupten.

Amun
13.04.2008, 09:23
@Gegs: Aber was hilft das den Mandanten. Im Zweifel zahlt die Vermögensschadenshaftpflicht der Anwälte ebenso "zügig und unproblematisch" wie die Ärztehaftpflicht bei fehlerhaftem ärztlichem Handeln. Im Ernst heißt das also weitere Prozesse, Gutachten und jahrelanges Warten.

Gegs
13.04.2008, 11:52
Aber bei der Rechtsberatung durch Architekten, Kfz-Werkstätten und anderen Personen hat der Kunde noch nicht einmal diese Aussicht.

ultima ratio :)
13.04.2008, 12:53
@Gegs: Das mag schon sein, aber das das Rechtsberatungsmonopol für RAe aus Adolfs Zeiten irgendwann wackeln wird, war doch m.E. irgendwo klar. Wieso sollte nicht z.B. ein Richter, Rpfl. oder GV (im Bereich der ZV) eine Rechtsberatung genausogut wie der Anwalt erteilen können? - Ich meine, daß nicht jeder Anwalt die Weißheit mit Löffeln gemampft hat. - Die Vollstreckungen gegen Anwälte nehmen in letzter Zeit erheblich zu. Ich selbst kenne im LG Bezirk mindestens 15 Fälle, die ihre Zulassung verloren haben. - Guckst Du z.B. auf BGH.de (Anwaltssenatssachen) wirst Du mir zustimmen.

Der_UdG
13.04.2008, 14:28
Tja, und wieviele RAe gibt es wohl, die in manchen mehr als wichtigen Gebieten, insbesondere was die freiwillige Gerichtsbarkeit anlangt, wirklich Ahnung haben? Gut, spezialisierte wohl schon, aber vergleicht mal den Kenntnisstand eines Wald-und-Wiesen-Anwalts zB in Grundbuchsachen mit dem eines Rechtspflegers. Und dann hab ich auch immer wieder die Schnauze voll von Anwälten, die sich für jede noch so unsinnnige Sache ohne jedes Schamgefühl instrumentalisieren lassen und die hahnebüchensten Rechtsauffassungen dazu aus der Wunderkiste zaubern. Für mich ist die Reform durchaus in Ordnung, die Glaubwürdigkeit und Seriosität, die sie mal vor vielen, vielen Jahren hatte, hat sich die Anwaltschaft selbst verspielt...

Grüße,

Der_UdG

advocatus diaboli
13.04.2008, 15:16
Ich selbst kenne im LG Bezirk mindestens 15 Fälle, die ihre Zulassung verloren haben.

Vermutlich in nicht wenigen dieser Fälle aufgrund Vollstreckung des Versorgungswerks. Das ist - wie ich finde - ein Irrsinn an der Freiberuflerei: einerseits wird das Versorgungswerk als Riesenerrungenschaft gepriesen (sind Rechtsanwälte zu blöde, sich selbst mit der Altersvorsorge zu befassen, müssen andere Selbständige doch auch...), andererseits findet übers Versorgungswerk auch sowas wie "Marktbereinigung" statt.

Ferner (durchaus ernst gemeint): dem RA haftet bei Vollstreckungen dann gleich die quasi unwiderlegbare Vermutung an, sich künftig hemmungslos an Mandantengeldern zu vergehen. Klingt überspitzt, ist aber nicht weit von der Realität entfernt, siehe BGH-Anwaltssenat. Aber: würde bei einem Arzt, gegen den vollstreckt wird, jemand auf die Idee kommen, seine Approbation oder Kassenzulassung oder was auch immer einzusacken, weil er ja künftig zur Mehrung seines Umsatzes teure, womöglich nicht indizierte Behandlungen vornehmen könnte? Wohl kaum.

Beim Versicherungsthema braucht man nicht mal auf Anwälte vs. Architekten, Werkstätten etc. abzustellen. Auch bei Ärzten ist wohl durchaus möglich, legal zu praktizieren, ohne daß eine Vermögensschadenhaftpflicht besteht. Darüber gab es mal eine Doku im TV (regionale Unterschiede möglich, da ärztliches Berufsrecht im Gegensatz zur BRAO offenbar kein Bundesrecht ist).

Gegs
13.04.2008, 17:02
Was die Seriösität von Anwälten angeht, sollte man sich vor der hier scheinbar vertretenen Verallgemeinerung hüten. Ärzte sind auch nicht alle Vebrecher, nur weil einige Kurfuscher praktizieren. Es gibt viele Anwälte, die ihr Handwerk verstehen und sich für die Mandanteninteressen überobligatorisch einsetzen. Es gibt auch schwarze Schafe, die allerdings nicht nur unter den Feld-Wald-Wiesen Anwälten zu suchen sind. Feld-Wald-Wiesen Anwälte haben meines Erachtens ihre Daseins-Berechtigung, den die Beratung in alltäglichen Problemen benötigt nicht unbedingt einen Spezialisten im Grundbuchrecht.

Richtig ist sicherlich, dass das Rechtsberatungsmonopol veraltet und überdenkenswert ist. Wenn RPfl und Richter Mandanten beraten, ist sicherlich nichts dagegen einzuwenden. Aber man sollte nicht immer nur auf die zweifelsfrei vorhandenen wirtschaftlichen Interessen der Anwälte am Erhalt des RechtsBerG hinweisen, sondern eben auch die Nachteile sehen, wenn Hinz und Kunz Mandanten beraten können und dabei Fehler machen.

TL
13.04.2008, 19:29
@Gegs:

Tja, wenn die Mandanten aber lieber zu "Hinz und Kunz" als zum Anwalt gehen...

Qualität setzt sich durch. Mit und ohne Monopolgesetz.

ultima ratio :)
14.04.2008, 10:27
Korrekte Antwort TL. Und verallgemeinert hab ich m.E. niemand. Es gibt auch innerhalb der Justiz schwarze Kater. @Mr. Burns: Ja oftmals ist es das Versorgungswerk. Wir hier haben auch schon gegen Ärzte vollstreckt und ggf. auch zwangsräumen müssen, soweit ich weiß, war die Zulassung dann auch weg. Aber jetzt sitzt der eine oder andere im Ausland und macht weiter; wahrscheinlich weil es dort niemand weiß.

Gegs
14.04.2008, 10:30
@ TL:

Hoffentlich erkennen die Leute auch, ob Hinz und Kunz Qualität liefert oder sie nur noch tiefer in ... reitet. Wenn ich z.B. gar nicht weiß, welche Ansprüche ich nach einem Verkehrsunfall geltend machen kann, wie soll ich dann wissen, ob die Werkstatt mich gut berät.

Andreas
14.04.2008, 11:03
Hoffentlich erkennen die Leute auch, ob Hinz und Kunz Qualität liefert oder sie nur noch tiefer in ... reitet.
Die Gefahr besteht. Allerdings besteht sie auch bei Anwälten, die händeringend Mandanten suchen und bei der Auswahl der von ihnen vertretenen Fälle keine allzu großen Skrupel haben.

In beiden Fällen gilt: Hinterher weiß man es dann (vielleicht).

Insofern ist (leider) wahr, dass die Berufsbezeichnung "Rechtsanwalt" bei weitem nicht mehr für eine gewisse Seriosität bürgt, auch wenn das eventuell nicht vom Anwaltsstand allein verschuldet sein mag.

Gegs
14.04.2008, 11:26
@ Andreas:

Bezüglich des Anwaltsstandes gebe ich Dir leider Recht.

Im Übrigen wehre ich mich nur dagegen, dass man Anwälte pauschal verteufelt und das Allerheilmittel in Dritten Nichtjuristen sieht. Diese können im Einzelfall bessere Arbeit leisten, das muss aber nicht zwangsläufig der Fall sein!

Medicus
14.04.2008, 11:26
Wieso sollte nicht z.B. ein Richter, Rpfl. oder GV (im Bereich der ZV) eine Rechtsberatung genausogut wie der Anwalt erteilen können? - Ich meine, daß nicht jeder Anwalt die Weißheit mit Löffeln gemampft hat.

Richtig, nicht jeder Anwalt hat die Weisheit mit Löffeln gemampft, dafür hat jeder Anwalt im Gegensatz zu Rechtspflegern und Gerichtsvollziehern das Studium der Rechtswissenschaften und ein Rechtsreferendariat absolviert. Und das ist nicht ohne.

Ultima ratio, welche Ausbildung haben Sie absolviert, die Sie zur umfassenden Rechtsberatung qualifiziert?

Gegs
14.04.2008, 11:32
, dafür hat jeder Anwalt im Gegensatz zu Rechtspflegern und Gerichtsvollziehern das Studium der Rechtswissenschaften und ein Rechtsreferendariat absolviert. Und das ist nicht ohne.

Aber befähigt - insbesondere aufgrund seiner Theorielastigkeit - nicht jeden Anwalt, sofort und uneingeschränkt auf die Menschheit losgelassen zu werden. Bei manchen Kollegen tun mir die Mandanten ehrlich gesagt wirklich leid.

Im Übrigen nehme ich ohne Standesdünkel gern Hilfe von Leuten an, die zwar keine so tolle Ausbildung wie ich haben, sich aber in vielen Bereichen mit Sicherheit besser auskennen als ich selbst.

Medicus
14.04.2008, 11:41
Gleiches müßte dann auch für Richter gelten.

Ich kann nicht für andere, sondern nur für mich sprechen. Ich bin mir sicher, dass ich den meisten Nicht-Volljuristen in rechtlichen Dingen bei weitem überlegen bin.

Medicus
14.04.2008, 11:45
... und zwar gerade aufgrund meiner Ausbildung.

owl1
14.04.2008, 11:51
Viel monieren zu Recht, dass die Qualität einer rechtlichen Beratung durch den Anwalt nicht immer das Gelbe vom Ei ist. Es hängt halt davon ab, an wen man gerät. Dadurch, dass nunmehr auch andere Personen Rechtsberatung vornehmen dürfen, wird die Situation nicht besser. Auch hier hängt es davon ab, an wen man gerät, nur mit dem Unterschied, dass diese Personen meist keinen oder nur einen geringen juristischen Background haben. Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, dass die beiden Anwälte, die ich in meinem Leben bisher beauftragen musste, exellente Arbeit abgeliefert haben und ich ohne sie z.T. aufgeschmissen gewesen wäre, obwohl ich aus einem juristischen Beruf stamme. Grundsätzlich ( das ist ja der Begriff, der darauf hinweist, dass es 1000 Ausnahmen gibt ), also grundsätzlich halte ich juristische Beratung durch einen Anwalt für richtig. Hätte sich die Anwaltschaft frühzeitig über eine nachprüfbare Qualtitätssicherung ihrer Arbeit Gedanken gemacht und hieraus Konsequenzen gezogen ( regelmäßige Zertifizierungen, Überprüfung von den Kammern u.s.w. ), würde die Zulassung anderer Berufsgruppen zumindest nicht unter Hinweis auf die Qualität der anwaltlichen Arbeit begrüßt werden.

omawetterwax
14.04.2008, 12:13
Viel monieren zu Recht, dass die Qualität einer rechtlichen Beratung durch den Anwalt nicht immer das Gelbe vom Ei ist. Es hängt halt davon ab, an wen man gerät. Dadurch, dass nunmehr auch andere Personen Rechtsberatung vornehmen dürfen, wird die Situation nicht besser. Auch hier hängt es davon ab, an wen man gerät, nur mit dem Unterschied, dass diese Personen meist keinen oder nur einen geringen juristischen Background haben. Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, dass die beiden Anwälte, die ich in meinem Leben bisher beauftragen musste, exellente Arbeit abgeliefert haben und ich ohne sie z.T. aufgeschmissen gewesen wäre, obwohl ich aus einem juristischen Beruf stamme. Grundsätzlich ( das ist ja der Begriff, der darauf hinweist, dass es 1000 Ausnahmen gibt ), also grundsätzlich halte ich juristische Beratung durch einen Anwalt für richtig. Hätte sich die Anwaltschaft frühzeitig über eine nachprüfbare Qualtitätssicherung ihrer Arbeit Gedanken gemacht und hieraus Konsequenzen gezogen ( regelmäßige Zertifizierungen, Überprüfung von den Kammern u.s.w. ), würde die Zulassung anderer Berufsgruppen zumindest nicht unter Hinweis auf die Qualität der anwaltlichen Arbeit begrüßt werden.

:daumenrau Der Beitrag gefällt mir.
Ich fände es übrigens schade, wenn dieser Thread in eine "Anwaltsschelte" mit den entsprechenden Repliken abgleiten würde *nurmalsoanmerk*

Gegs
14.04.2008, 13:06
@ owl1:

So viel ich mich erinnere, hat es seitens der Anwaltschaft durchaus Versuche gegeben, die Überschwemmung des Marktes mit allen damit verbundenen negativen Konsequenzen einzudämmen. Die Anwälte wurden damit nicht gehört!

advocatus diaboli
14.04.2008, 13:16
@Gegs:

Was meinst Du damit? Die grandiose Idee des DAV-Präsidenten, daß die Anwaltschaft ihren Nachwuchs selbst ausbildet (3.500 Plätze p.a.) und alle, die dort (und im öffentlichen Dienst) nicht unterkommen, mit dem ersten Staatsexamen da stehen und halt Pech haben?

ultima ratio :)
14.04.2008, 13:36
Huch, Herr Medicus, muß ich jetzt vor Ihnen als Volljurist einen Hofknicks machen? Wieviele Anwälte kennen Sie z.B. mit umfassenden ZV-Kenntnissen wie z.B. Rechtspfleger und auch Gerichtsvollzieher? - Wohl wenige. - Ohne den Thread jetzt absausen zu lassen, aber wenn ich bei jedem Antrag der mir vorliegt, umfassende Beanstandungen schreiben würde, dann hätte ich den halben Tag nichts anderes zu tun. - Aber man ist halt großzügig. (Wie war das nochmals mit der Auslegung von WE..) Im Übrigen darf ich daran erinnern, daß dies ein Rpfl. - Forum ist und primär nicht ein RA Forum. Das das Rechtsberatungsmonopol irgendwann zumindest teilweise fällt, war wohl kaum zu vermeiden. Es gibt ja da auch noch sowas wie EU-Recht, nicht wahr. Und ausserdem, wie unbeholfen oftmals junge Ass. jur. sind, merke ich derzeit wieder. Die ZV-Akten zur Entscheidung häufen sich und die Geschäftsstelle muß andauernd unflätige Bemerkungen von Parteien hinnehmen. Ach ja noch was: Ich hab selbst Volljuristen (sind die manchmal voll?) in der Verw.schaft und ausserdem hab ich genügend RR bereits mitausgebildet, welche oftmals dankbar waren, auch mal was aus der Praxis zu sehen, denn die kommt im Studium wohl sehr zu kurz. Da werden lieber Fällchen gelöst, die so abgehoben sind, daß sie in 100 Jahren nicht vorkommen. Im Übrigen ist die Vertretung der RAe irgendwo selbst Schuld. Man hätte zumindest in manchen Regionen Dtls. bereits vor Jahren die Zulassungen regulieren sollen. Jetzt ists zu spät und keiner weiß wohin mit den Junganwälten. - Danke fürs Lesen. Ein Nicht-jurist. (Vielleicht in Ihren Augen ein Angehöriger des Fußvolks)

Himmel
14.04.2008, 13:49
Also ich kenne Rechtsanwälte, Richter, Rechtspfleger, Gerichtsvollzieher, Ärzte, Heilpraktiker, Polizisten und noch viele andere Berufsgruppen, die in ihren Fachgebieten keine großen Leuchten sind.

Jeder sollte sich an seine eigene Nase packen und nicht auf eine andere draufschlagen!

Gegs
14.04.2008, 14:16
@Gegs:

Was meinst Du damit? Die grandiose Idee des DAV-Präsidenten, daß die Anwaltschaft ihren Nachwuchs selbst ausbildet (3.500 Plätze p.a.) und alle, die dort (und im öffentlichen Dienst) nicht unterkommen, mit dem ersten Staatsexamen da stehen und halt Pech haben?

Machen wir uns doch nichts vor, das Problem wird weiterhin bestehen, solange jedes Jahr eine Menge Rechtsanwälte auf den Markt drängen, die böse gesagt, keiner braucht. Ich habe mir mal sagen lassen, dass früher ein Drittel der Volljuristen sowohl im Justizdienst als auch in der Verwaltung beim Staat unterkamen. Derzeit liegt die Quote wohl bei 5 - 10 Prozent! Alle anderen Absolventen machen sich notgedrungen als Anwälte selbstständig, was ohne den Hinterhalt von erfahrenen Kollegen und angestellten Renos nicht unbedingt zu einer Verbesserung der Qualität bei Gebührenabrechnungen, Zwangsvollstreckungen etc. führt.

Natürlich ist das Rechtsberatungsgesetz (wenn bei Adolf auch anders gedacht) eine Möglichkeit, den Anwälten den wirtschaftlich kleinen Kuchen zu erhalten. Deshalb schreiben wir Anwälte doch bezüglich der Abschaffung auch Zeder und Mordio. Man sollte aber bezüglich der ganzen Häme, die man den Anwälten hier entgegenbringt, nicht vergessen, dass einige Argumente gegen die Rechtsberatung durch Hinz und Kunz vielleicht doch überlegenswert sind.

@ ultima ratio:
Wie wahr Herr Gerichtsvollzieher, ein Rechtspflegerforum :teufel:.

candide
14.04.2008, 14:18
:zustimm: Himmel.

Im Übrigen::ironie:

Ärzte, Apotheker und Heilpraktiker beerdigen ihre Fehler.

Bei den Juristen stehen sie wenigstens in den Akten und man kann - mit mehr oder weniger Erfolg - auf Schadensersatz klagen.

Irmi
14.04.2008, 14:19
####
Also ich kenne Rechtsanwälte, Richter, Rechtspfleger, Gerichtsvollzieher, Ärzte, Heilpraktiker, Polizisten und noch viele andere Berufsgruppen, die in ihren Fachgebieten keine großen Leuchten sind.

Jeder sollte sich an seine eigene Nase packen und nicht auf eine andere draufschlagen!####


:dito: Aber passt bitte alle auf, dass wir auch beim Thema bleiben und nicht der größte Teil im VP landet. Jeder kann seine Meinung sagen, aber er muss auf dem Teppich bleiben. Übrigens: Wer austeilen kann, sollte auch einstecken können !:teufel:

Gegs
14.04.2008, 14:21
Bei den Juristen stehen sie wenigstens in den Akten und man kann - mit mehr oder weniger Erfolg - auf Schadensersatz klagen.

Und im Gegensatz zu den Ärzten findet sich auch immer ein Kollege, der mit großer Freude die Klage anhängig macht. Aber vielleicht ist das auch gut so.

advocatus diaboli
14.04.2008, 14:37
Ach ja noch was: Ich hab selbst Volljuristen (sind die manchmal voll?) in der Verw.schaft und ausserdem hab ich genügend RR bereits mitausgebildet, welche oftmals dankbar waren, auch mal was aus der Praxis zu sehen, denn die kommt im Studium wohl sehr zu kurz. Da werden lieber Fällchen gelöst, die so abgehoben sind, daß sie in 100 Jahren nicht vorkommen.

Ja, eine der Absurditäten des Jurastudiums besteht m.E. darin, daß der vorgeschriebene Einblick in die Praxis sich auf die ominöse praktische Studienzeit beschränkt, die insgesamt 3 Monate in Anspruch nimmt.

Das mit den abgehobenen Fällchen unterschreibe ich mit, für die Uni gilt das uneingeschränkt. In der Referendarausbildung werden aber Fälle be- und verarbeitet, die nach realen Akten gebildet sind (siehe das Kreuzchen "Landesjustizprüfungsamt" auf dem Aktendeckel).

@Gegs:

Selbstausbildung der Nachwuchskräfte durch die Anwaltschaft stellt m.E. eine Verlagerung des Problems dar. Dann hätte man auf einmal einen Überhang von mehreren tausend Absolventen p.a., die weder dort noch im öffentlichen Dienst etwas finden und mit dem Ersten Staatsexamen auf der Straße stehen. Konsequenterweise müßte dann eigentlich bereits der Zugang zum Studium dem Bedarf entsprechend reguliert werden.

Gegs
14.04.2008, 14:52
Konsequenterweise müßte dann eigentlich bereits der Zugang zum Studium dem Bedarf entsprechend reguliert werden.

Wir haben unser Studium hinter uns und damit gut lachen, aber mir erscheint dies der einzig richtige Weg.

advocatus diaboli
14.04.2008, 15:05
Das stimmt schon, wäre aber m.E. rechtlich nicht ganz einfach umzusetzen.

Bine1
14.04.2008, 15:08
Das stimmt schon, wäre aber m.E. rechtlich nicht ganz einfach umzusetzen.
wieso?
Einen internen NC gabs an so manchen Unis und dann wieder nicht und wieder doch und...

advocatus diaboli
14.04.2008, 15:11
Hier ginge es dann ja nicht um eine Zulassung zum Studium entsprechend der Kapazitäten der Unis, sondern im Hinblick auf eine Bedarfslage für die spätere Berufstätigkeit.

Bine1
14.04.2008, 15:14
Hier ginge es dann ja nicht um eine Zulassung zum Studium entsprechend der Kapazitäten der Unis, sondern im Hinblick auf eine Bedarfslage für die spätere Berufstätigkeit.

na gut, das ist aber nicht nur rechtlich schwer umsetzbar, sondern auch inhaltlich. Ich kann ja nicht zur Einschreibung schon bestimmen was ich mit dem Abschluss will.
Wenn es tatsächlich nur um die Anwaltstätigkeit ginge, wäre eine Absprache mit der Kammer evtl. schon möglich.

Was aber wenn ich mit dem Examen in die Wirtschaft will?

omawetterwax
14.04.2008, 15:47
Hier ginge es dann ja nicht um eine Zulassung zum Studium entsprechend der Kapazitäten der Unis, sondern im Hinblick auf eine Bedarfslage für die spätere Berufstätigkeit.

na gut, das ist aber nicht nur rechtlich schwer umsetzbar, sondern auch inhaltlich. Ich kann ja nicht zur Einschreibung schon bestimmen was ich mit dem Abschluss will.
Wenn es tatsächlich nur um die Anwaltstätigkeit ginge, wäre eine Absprache mit der Kammer evtl. schon möglich.

Was aber wenn ich mit dem Examen in die Wirtschaft will?

Letztlich könnte das auf eine Beschränkung von Zulassungen für die Niederlassung als "freier" RA hinauslaufen. Kassenarzt oder - noch extremer - Notar kann auch auch nicht jeder werden, der gerne möchte. Aber so richtig doll fände ich so eine Lösung auch nicht. Guter Nachwuchs hätte dann womöglich keine Chance weil zuviele "alte Schnarchnasen" ihr Unwesen treiben. Am schönsten wäre es wirklich, der Markt würde es regulieren können: die fähigsten RAe bekommen die meisten Mandanten. Damit wäre allen gedient. Utopia lässt grüßen.

Medicus
14.04.2008, 16:20
@omawetterwax:
Stimmt, es wäre am schönsten, wenn die fähigsten RAe die meisen Mandanten bekommen würden. Doch gestaltet auch der Preis den Wettbewerb, d.h. "billig" zieht auch. Ich bin mal gespannt, wie sich der Rechtsberatungsmarkt nach dem 01.07.2008 entwickeln wird. Zum Glück bearbeitet unsere Kanzlei keine Unfallsachen und muss mithin nicht mit Kfz-Reparaturwerkstätten in Wettbewerb treten.

@advocatus diaboli:
Da keiner von uns hellseherische Kräfte besitzt, läßt sich die Bedarfslage für die Zukunft nicht sicher voraussagen. Ich erinnere daran, wie daneben die Einschätzung von einigen Lehrern Anfang der 90-iger hinsichtlich der Entwicklung des Berufes als Informatiker war.

ultima ratio :)
14.04.2008, 20:08
Klar werden die meisten heute Anwalt - weil der Staat die wenigsten nimmt. Ich kenne Zeiten, in denen es gerade umgedreht war - da wurden die Staatsdiener wegen ihres A13 bzw. R1 Eingangsgehalts belächelt. - Tja, heute lächeln diese und schauen ganz weit herab.

TL
14.04.2008, 20:41
@ TL:

Hoffentlich erkennen die Leute auch, ob Hinz und Kunz Qualität liefert oder sie nur noch tiefer in ... reitet. Wenn ich z.B. gar nicht weiß, welche Ansprüche ich nach einem Verkehrsunfall geltend machen kann, wie soll ich dann wissen, ob die Werkstatt mich gut berät.



Generell:zustimm:, aber woher weiß ich es bei einem Anwalt?

Samirah
15.04.2008, 09:06
Ich beteilige mich nicht gerne an solchen Diskussionen. Sie führen oft nur zu gegenseitigen Vorhaltungen der unterschiedlichen Berufsgruppen. Nur so viel: Ich bin Fachanwältin für Erbrecht. Aber mir fällt kein Zacken aus der Krone, wenn ich zugebe, daß ich in bestimmten Bereichen nicht über das Wissen verfüge, das andere aufzuweisen haben, obwohl sie keine Volljuristen sind. Insbesondere gibt es ein ehemaliges Mitglied dieses Forums, dem ich meine Erbrechtsfälle ungeachtet seiner fehlenden voll(juris)tischen Ausbildung blind anvertrauen würde.

TL
15.04.2008, 09:36
@Samirah::daumenrau

Ja, volle Zustimmung und damit ist für mich die Sache erledigt.