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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : immer Mindestvergütung 100 EUR/jählich oder Quotelung im Rumpfjahr?



Kamille
22.08.2008, 13:48
Wie wird das bei anderen Gerichten gehandhabt? Bekommen die Treuhänder immer ihre 100 EUR jährlich oder in den nicht vollen Jahren nur anteilig (nach vollen Monaten?). Wir hatten das hier bei den Vorschüssen immer anteilig bewilligt. Jetzt zur Festsetzung am Ende kommen aber die Anträge auf volle Erstattung auch der nur angefangenen Jahre mit 100 EUR. Gibt es irgendwelche Entscheidungen dazu? (Beschwerdewert ist aber eigentlich nicht erreicht....)
Danke und schönes Wochenende!

Nicole
22.08.2008, 13:56
Auch für's angefangene Jahr bekommen die Treuhänder bei uns ihre 100 €

Nicole
22.08.2008, 14:02
'Die Mindestvergütung normiert Abs. 3 mit 100 EUR pro angefangenem Jahr...'
(Frankfurter Kommentar, § 14 InsVV, RNr. 8)

Bela
22.08.2008, 16:24
Auch für's angefangene Jahr bekommen die Treuhänder bei uns ihre 100 €

:zustimm:

Mosser
22.08.2008, 19:13
Auch für's angefangene Jahr bekommen die Treuhänder bei uns ihre 100 €

:zustimm:
dito

Jamie
23.08.2008, 07:52
"Mein" Gericht zahlt oder lässt zahlen auch 100 EUR für das angefangene Jahr. :D

Kamille
26.08.2008, 14:25
Ok, dann will ich auch mal nicht so sein! ;)
(bleibt mir ja wohl eh nix anderes übrig...)

Maus
26.08.2008, 14:27
Wir haben es bis vor Kurzem auch anders gehandhabt, also es wurde gequotelt. Dann hat sich endlich ein TH mal zu einem Rechtsmittel hinreißen lassen und unser Richter hat ihm die 100,- € pro angefangenem Jahr bewilligt. Uns war´s ganz recht und wird daher jetzt auch einheitlich so gehandhabt.

amandaLina
27.08.2008, 08:53
Haarmeyer stimmt der hier geäußerten Auffassung zu. Es gibt aber auch andere Auffassungen.
Wir IN-Rechtspfleger an unserem Gericht haben uns abgestimmt und handhaben es nicht so.
§ 14 InsVV spricht von 100 € pro Jahr und nicht pro angefangenem Jahr. Da der Gesetz- bzw. Verordnungsgeber aber durchaus den Unterschied von "pro Jahr" und "pro angefangenem Jahr" zu machen weiß, sehen wir für uns keinen Anhaltspunkt, warum das hier nach der letzten Version zu handhaben sein sollte.
Wir haben teilweise Fälle, wo das letzte "angefangene" Jahr nur wenige Tage dauerte. Wir finden es dem Schuldner darum gegenüber ungerecht, dem Treuhänder für das Rumpfjahr die volle jährl. Mindestvergütung zuzubilligen.

La Flor de Cano
01.09.2008, 10:19
Am § 14, III InsVV ist nie etwas geändert worden.

Vor der Novelle zum 1.12.2001 war die Laufzeit gerade volle Jahre, seien es 5 oder 7.

Pech für den Schuldner, wenn das letzte Jahr nur wenige Tage dauert. Allerdings hat er dafür ja auch die Verfügungsbefugnis über sein Vermögen (und damit den möglichen Lottogewinn) eher zurückerhalten.

rainer19652003
06.09.2008, 18:23
Da in den meisten Verfahren keine nennenswerten Beträge zu erwarten sind, sieht § [/URL]14 Abs. 3 Satz 1 (http://www.insolvenzrecht.de/inhalte/suche/?docid=1402477#msearch_match_4)InsVV eine Mindestvergütung von 100 EUR für jedes Jahr der Tätigkeit des Treuhänders vor. [U]Hat mindestens ein Tag eines neuen Jahres der Tätigkeit begonnen, ist dieses Jahr zusätzlich zu berücksichtigen.


InsbürO 2005, 258 - 262 (Ausgabe 7)

Ernst
11.09.2008, 07:55
Da in den meisten Verfahren keine nennenswerten Beträge zu erwarten sind, sieht § 14 Abs. 3 Satz 1 InsVV eine Mindestvergütung von 100 EUR für jedes Jahr der Tätigkeit des Treuhänders vor. Hat mindestens ein Tag eines neuen Jahres der Tätigkeit begonnen, ist dieses Jahr zusätzlich zu berücksichtigen.


InsbürO 2005, 258 - 262 (Ausgabe 7)

Und das "neue Jahr" beginnt ein Jahr nach dem gerichtlichen Aufhebungsbeschluss.

Jamie
11.09.2008, 09:31
Ich rechne mal grad nach: 8,33 EUR Vergütung im Monat wären es, wenn man quoteln möchte (auf "pro angefangenem Monat")... Wenn man dann noch soweit gehen will, dass man es auf den Tag genau hochrechnet, bekommt ein Treuhänder die Wahnsinnsvergütung von 0,27 EUR am Tag. :gruebel:

rainer19652003
11.09.2008, 21:00
Ich rechne mal grad nach: 8,33 EUR Vergütung im Monat wären es, wenn man quoteln möchte (auf "pro angefangenem Monat")... Wenn man dann noch soweit gehen will, dass man es auf den Tag genau hochrechnet, bekommt ein Treuhänder die Wahnsinnsvergütung von 0,27 EUR am Tag. :gruebel:

:eek::eek::eek:

rainer19652003
11.09.2008, 21:01
Und das "neue Jahr" beginnt ein Jahr nach dem gerichtlichen Aufhebungsbeschluss.

Ich denke schon. ;)

Jamie
11.09.2008, 21:30
Ich rechne mal grad nach: 8,33 EUR Vergütung im Monat wären es, wenn man quoteln möchte (auf "pro angefangenem Monat")... Wenn man dann noch soweit gehen will, dass man es auf den Tag genau hochrechnet, bekommt ein Treuhänder die Wahnsinnsvergütung von 0,27 EUR am Tag. :gruebel:

:eek::eek::eek:

Wollte ich nur mal so in den Raum stellen, damit man sieht, wie sich Insolvenzverwalter -insbesondere Treuhänder- an masselosen Verbraucherinsolvenzverfahren eine goldene Nase verdienen. *ironiemodus-aus*

Tanja3012
12.09.2008, 11:07
Ich rechne mal grad nach: 8,33 EUR Vergütung im Monat wären es, wenn man quoteln möchte (auf "pro angefangenem Monat")... Wenn man dann noch soweit gehen will, dass man es auf den Tag genau hochrechnet, bekommt ein Treuhänder die Wahnsinnsvergütung von 0,27 EUR am Tag. :gruebel:

Wenn du es soweit herunterrechnest, frage ich mich, was der Treuhänder denn TÄGLICH während der WVP macht ...

bonnyclyde
12.09.2008, 11:25
Das ist natürlich ne Sichtweise, die dem Problem nicht gerecht wird.Insofern ist die Aufrechnung auf den Tag sicher so zu verstehen, dass mal deutlich gemacht wird, dass über 100 netto/Jahr diskutiert wird und der Ball insoweit schon mal durchaus flach gehalten werden kann.

Aber gut-wenn also beispielsweise weniger als 2000 pro Jahr eingezogen werden, bleibt es bei den 100.Hiervon werden auf das Jahr anteilig die Leute bezahlt, die den Posteingang(Einkommensnachweise) zu machen haben,die die Zahlungseingänge zu kontrollieren haben, die die Buchhaltung machen, die die Jahresabrechnung zu tätigen haben, die den Bericht nach Diktat zu schreiben haben.In der regel alles Angestellte des TH.Ich will den Strom-Wasser-und Heizungsverbrauch, der ,treibt man es auf die Spitze, ja auch Berücksichtigung finden müsste, gar nicht erwähnen. Ach ja, und wenn die ganzen Kosten, die im Zusammenhang mit dem jährlichen Einzug, der Verbuchung, der Berichterstattung und der Fertigung derselben(ich gehe hier davon aus, das alles glatt läuft und der Schuldner nicht noch schriftlich oder telefonisch zur Erfüllung seiner Obliegenheiten-Einkommensnachweise etc-aufgefordert werden muss) getilgt sind, dann können wir mal schauen, was von den 100 für den TH noch übrig ist(die er dann auch noch versteuern muss...also, ne recht ferne Sicht auf die Dinge, wenn man sich nur auf den nominalen Betrag fixiert.

Mosser
12.09.2008, 11:36
Ich habe natürlich keine Lust, weder eine Grundsatzdebatte zu starten noch mich zu streiten. Aber ich sage da mal ganz provokant: Mir kommen gleich die Tränen. Deshalb möchte ja anscheinend auch niemand Insolvenzverwalter werden und die Gerichte müssen diese Leute auf der Strasse mit dem Lasso einfangen.

bonnyclyde
12.09.2008, 11:41
Nicht doch Mosser, so war es ja nicht gemeint, ich wollte nicht Mitleid erheischen.Im Übrigen diskutierten wir über den TH in der WVP. Deutlich machen wollte ich nur, dass ich es daneben finde, wenn bei dem in Rede stehenden Gesamtbetrag iW eins-null-null diskutiert wird, als würde es um noch drei Nullen mehr gehen.Und:Selbst wenn einzuräumen ist, dass die Tätigkeit in der WVP nicht so anspruchsvoll und auch mit Verantwortung behaftet ist, wirst auch Du sicher einräumen, dass dies für nur Null nicht zu machen ist.Die 100 sind schon OK....

Mosser
12.09.2008, 11:58
@bonnyclyde: Ok, dann ist ja gut. Hast natürlich vollkommen recht. Die Diskussion geht wirklich um Popanz.
Ich gebe dir auch recht, das die nicht für null zu machen ist; insbesondere wenn man sieht, dass einige meiner Kollegen halbe Bibeln als Berichte von dem Verwalter verlangen. Letztlich dürfte der Gesetzgeber gewollt haben, dass jemand die Abtretung den Drittschuldnern mitteilt und das Geld einsammelt. Und wenn eine Verteilung zu erfolgen hat, dann nochmal einen kleinen Zuschlag und gut ist. Mir ist auch klar, dass der Job als reiner WVP-Treuhänder natürlich dadurch nicht finanzieren ließe. Aber für einen Insolvenzverwalter dürfte sich die Gesamtbilanz (lukrative Insoverfahren,Ik-Verfahren, WVP) kompensieren ;).

amandaLina
12.09.2008, 12:10
@bonnyclyde
Nichts für ungut: Du zahlst doch, wenn die WVP nur noch einen Monat dauert auch nur für diesen einen Monat Deine Angestellten, Deine Heizung usw.:gruebel: :)
Wir haben uns die Entscheidung, ob wir das angefangene Jahr voll vergüten oder nicht, nicht leicht gemacht. Ich kenne auch die Kommentierungen dazu, dass diese meistens von vollen 100 € für das angefangene Jahr ausgehen. Es gibt allerdings auch eine andere Meinung dazu (finde im Moment nicht die Fundstelle). Und wir haben uns dieser Meinung angeschlossen. Zum Einen weiß der Gesetzgeber ja eigentlich schon den Unterschied zwischen "pro Jahr" und "pro angefangenem Jahr", zum Anderen hat der Treuhänder eben seine Unkosten nicht mehr für das ganze Jahr (wir verzichten z.B. auch auf einen Bericht, wenn das Ende der WVP kurz bevor steht). Dem Schuldner finde ich es da einfach gegenüber ungerecht, wenn er noch ein volles Jahr bezahlen muss.
Jetzt ist ja "etwas gerecht finden" und "recht haben" durchaus zweierlei. Ich bin sehr gespannt, ob es demnächst mal Entscheidungen zu dem Thema gibt, und lasse mich, da ich eben durchaus auch die andere Seite sehe, dann ggf. gerne eines besseren belehren.

amandaLina
12.09.2008, 12:14
Mosser war wieder schneller,
da gebe ich Dir natürlich recht, dass der Aufwand, den manche Kollegen gerne hätten, für den TH zu (ungerechtfertigten?) Kosten führt.
Ich sehe das bzgl. der WVP eher wie Du: der wohlwollende Schuldner zahlt (der TH verteilt) oder hat ALG II, dem "Bösen" kommen wir eh nicht ans Leder.

rainer19652003
12.09.2008, 13:48
Ein hilfreicher Aufsatz zum Thema.

ZInsO 2006, 585 - 588 (Ausgabe 11 v. 15.06.2006)

Jamie
12.09.2008, 15:26
Ich habe natürlich keine Lust, weder eine Grundsatzdebatte zu starten noch mich zu streiten.

Wollte ich auch nicht.. .Ich wollte nur mal kurz zeigen, wohin es führt, wenn man die Quotelung konsequent durchzieht. ;) Was der TH für 100 Glocken im Jahr so zu leisten hat oder nicht, sollte hier nicht vertieft werden. Ein Verwalter wird jedenfalls nicht reich allein von Treuhandverfahren.