Im Grundbuch waren ursprünglich die Geschwister Berta,Christine und Achim zu je 1/3 eingetragen. Achim ist 1993 verstorben und sein 1/3 Anteil wurde auf seine Schwestern in Erbengemeinschaft berichtigt.

Nunmehr ist auch Christine verstorben und ich habe die Erbfolge zu prüfen, wodurch ich mich gerade herausgefordert fühle. Ich muss etwas ausholen:
Berta hatte in den 50er Jahren mit ihrem Mann eingemeinschaftliches notarielles Testament errichtet, in dem sich die Ehegatten gegenseitig als Alleinerben und als Erben des zuletzt versterbenden die beiden gemeinschaftlichen Kinder Dora und Egon einsetzten. Im Falle einer Wiederverheiratung sollten die Verfügungen des Überlebenden außer Kraft treten. Bertas Ehemann ist bald darauf verstorben.
In den 80er Jahren errichteten dann Berta, Christine und Achim einen Erbvertrag. Einleitend führt der Notar darin aus, dass Berta mit ihren Kindern D und E einen Zuwendungsverzichtsvertrag geschlossen habe und somit wieder frei verfügen könne. Dieser Vertrag liegt mir weder in den Grundakten noch in der Nachlassakte vor.
Es setzen sodann
a) Achim Berta und Christine,
b) Christine Berta und Achim und
c) Berta ihre Kinder D und E
zu Erben ein. Außerdem räumt Berta ihren Geschwistern verschiedene Nießbrauchsrechte als Vermächtnisse ein. Dabei sollen die Verfügungen zu a) und b) und die Vermächtnisse erbvertraglich bindend sein.
2006 schließlich verfasst Christine, meine jetzige Erblasserin, beim selben Notar der den früheren Erbvertrag beurkundet hat ein neues notarielles Testament in dem sie erklärt, sie hebe die Erbeinsetzung ihrer Geschwister aus diesem Erbvertrag auf. Sie setzt stattdessen als alleinige Erbin Bertas Tochter Dora ein.

Und nu?
Ich habe schon ein komisches Gefühl bei der Grundbuchberichtigung nach Achim. Es gibt für mich aus den Akten keinerlei Hinweis darauf, dass derKollege damals geprüft hat, ob Berta in den 80er Jahren noch frei testierenkonnte, oder ob sie durch das Ehegattentestament gebunden war. Falls sie noch gebunden gewesen sein sollte – kann ich dann davon ausgehen, dass ihre Geschwister (insbesondere Achim) zu ihren Gunsten testiert hätten? Steht und fällt damit nicht der gesamte Erbvertrag aus den 80er Jahren? Oder überinterpretiere ich da jetzt etwas?

Was die Erbfolge nach Christine angeht denke ich mir so:wenn der Erbvertrag aus den 80ern eindeutig unproblematisch ist, dann hat er Bindungswirkung und die Erbfolge bestimmt sich danach. Ist er womöglich eindeutig unwirksam, dann habe ich das notarielle Testament aus 2006, nach dem sich die Erbfolge richtet. Und wenn weder das eine, noch das andere eindeutig ist, dann würde ich einen Erbschein verlangen.
Irgendwie hoffe ich ja, dass ich in der Sache einfach zu kompliziert denke.


Ich weiß, der Umfang des Textes ist schon fast ein Zumutung, daher schon mal Dank und Anerkennung allen, die sich bis hierhin durchgekämpft haben. Noch dankbarer wäre ich für eure Meinungen.

Liebe Grüße
oww