Angebliche Tochter ein Fall des § 352d FamFG?!

  • In einem gem. notariellen Testament des Erblassers und seiner vorverstorbenen Ehefrau setzten diese "ihre Abkömmlinge" als Erben ein. Ersatzweise soll ein ausdrücklich bezeichneter Verein Erbe sein.

    Die vorverstorbene Ehefrau hatte nach Aktenlage keine Kinder.

    Bei den zuständigen Standesämtern liegen keine Erkenntnisse vor, dass der Erblasser Kinder gehabt hätte. Die eingesetzte Nachlasspflegerin konnte auch keine Kinder ermitteln.

    Ein Bekannter des Erblassers meldete sich und teilte mit, dass der Erblasser ihm kurz vor seinem Tod erzählt habe, er habe eine Tochter hinterlassen, zu der er keinen Kontakt habe. Name und letzter bekannter Wohnort seien ihm genannt worden. Eine Person mit dem angegebenen Namen konnte jedoch nicht ermittelt werden.

    Andere Verwandte haben keine Erkenntnisse zu Kindern des Erblassers.

    Ich hatte der Ersatzerbin die Ergebnisse der bisherigen Ermittlungen mitgeteilt und darauf hingewiesen, dass ich im Erbscheinsverfahren wohl eine öffentliche Aufforderung nach § 352d FamFG bzgl. Kindern des Erblassers erlassen würde. Der beurkundende Notar bittet um Überprüfung, ob dies wirklich erforderlich ist. Schließlich lägen keine konkreten Hinweise vor, dass Abkömmlinge vorhanden gewesen sind.

    Einziger Anhaltspunkt ist nun mal tatsächlich die Behauptung eines nicht beteiligten Bekannten.

    Öffentliche Aufforderung ja oder nein?

  • So grundsätzlich als Idee:

    wie alt waren denn die Eheleute, als das gemeinschaftliche Testament verfasst wurde? Hat der Erblasser im Wissen um sein Kind die Verfügung getroffen? Oder war das eher eine hypothetische Einsetzung für den Fall, dass die jung Verheirateten mal Kinder kriegen?

    Dazu könnte man noch den Erblasserwillen hinzuziehen. Sollte sich die Einsetzung nur auf gemeinsame Kinder beziehen? Oder auf die jeweiligen Kinder jedes Ehegatten?



    Grundsätzlich wäre ich persönlich hier wohl eher bei einem Verfahren nach § 352d FamFG.

    Deine Möglichkeiten der Ermittlung scheinen nach Schilderung aufgebraucht ( ggf. käme je nach Wert noch ein Nachlasspflegschaft zur Erbenermittlung in Betracht) und die vermeintliche Tochter wäre durch § 352d FamFG nicht ausgeschlossen; sie wäre einfach nur nicht berücksichtigt.


    Schau dir sonst noch mal Staudinger/Herzog (2023) BGB zum § 2353 BGB RN 419ff an.

  • Klingt nach dem Fall für die öffentliche Aufforderung. Allenfalls könnte der Nachlasspfleger vorweg ja nochmals für kurze Zeit einen professionellen Erbenermittler beauftragen.

    -------------------------:aktenEine wirklich gute Idee erkennt man daran, daß ihre Verwirklichung von vorn herein ausgeschlossen erschien. (Albert Einstein):gruebel: ------------------------------------

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  • Klingt evtl. nach einem nichtehelichen Kind ... je nachdem, wo der Erblasser geboren ist, könnte ein Hinweis am Geburtseintrag des Erblassers vorliegen. Fände ich einen Versuch wert.

    Wenn man das Geburtsdatum eingrenzen kann und die Tochter vielleicht einen nicht ganz so gebräuchlichen Vornamen hat, kann man im Melderegister evtl. auch einen Glückstreffer landen (der dann natürlich überprüft werden müsste).

    Wäre ohne großen Aufwand möglich, bevor eine öffentliche Aufforderung erlassen wird.

    Falls die Kindesmutter später geheiratet hat, wäre auch eine Einbenennung nicht ungewöhnlich, dann würde man die Tochter mit dem früheren Geburtsnamen auch nicht mehr finden.

  • AlGe Es wurden keine Kinder namentlich benannt, von daher gibt das Testament nichts dazu her, ob überhaupt jemals welche vorhanden waren. Ich vermute mal, dass man einfach sicherstellen wollte, dass Kinder bedacht sind, sofern noch welche geboren oder adoptiert werden sollten.

    Mata Alles bereits versucht, keine Treffer. Von der Tochter ist nur der angebliche Name und angebliche letzte Wohnort bekannt.

    @TL: Im Rahmen einer öffentlichen Aufforderung werden die nach meiner Erfahrung gerne auf eigene Faust tätig, sofern sie zu dem Ergebnis kommen, dass es sich lohnen könnte. Für eine Anregung an die Nachlasspflegerin, eine Erbenermittlung zu beauftragen, finde ich den Sachverhalt doch zu dünn.


    Ich erlasse eine öffentliche Aufforderung. Danke für den Input.

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