Personalgespräch im Praxisjahr

  • Ich befinde mich seit September im Praxisjahr des Studiums.

    Überraschend wurde ich nun zu einem Personalgespräch eingeladen. Ich soll direkt zum Dienstherr kommen. Das Gespräch ist auch schon in wenigen Tagen.

    Leider wurde kein Grund angegeben, wieso ich eigentlich bestellt werde. Es wurde lediglich auf mein Recht hingewiesen, dass ich eine Person meines Vertrauens mitnehmen dürfe. Für mich klingt das alles nicht gut. Ich kann mir nicht erklären, wieso ich nach so kurzer Zeit in der Praxis zu einem Gespräch eingeladen wurde.

    Hat jemand Erfahrungen mit sowas gemacht?

  • Das kann alle möglichen Gründe haben. Spekulieren hilft dir da nicht weiter, fürchte ich. Und ich kann ein solches "öffentliches" Spekulieren auch nicht empfehlen, zumal du offensichtlich deinen Klarnamen verwendet hast.

    Aber ich stimme dir zu, dass das nicht gut klingt. Ich würde daher von deinem Recht, eine Begleitperson mitzunehmen, Gebrauch machen. Ich persönlich würde in so einem Fall jemanden vom Personalrat ansprechen.

    Komplizierte Probleme heißen komplizierte Probleme, weil es keine einfachen Lösungen für sie gibt, sonst hießen sie einfache Probleme.

    - Frank Nägele, KStA v. 25.3.17 -

  • Ideal jemand, dem man auch vertraut. Ich habe als Personalratsmitglied schon solche Termine begleiten dürfen/müssen und kann die Mitnahme der (ideal: sachkundigen) Vertrauensperson nur empfehlen. Insbesondere dann, wenn man den Grund für das Gespräch nicht mitgeteilt bekommt. Ein nicht unerfahrenes Personalratsmitglied kann notfalls auch bremsend/helfend eingreifen. Oder auch Dich vor spontanen Dummheiten bewahren. Alles schon erlebt.

    Beginne den Tag mit einem Lächeln. Dann hast Du es hinter Dir. (Nico Semsrott)

    "Das Beste an der DDR war der Traum, den wir von ihr hatten." Herrmann Kant in einem Fernsehinterview

  • Ich würde an deiner Stelle ebenfalls ein erfahrenes Personalratsmitglied bitten, dich zu dem Gespräch zu begleiten. Ich bin selbst Mitglied eines örtlichen Personalrats und schließe mich der von FED in Beitrag #3 geschilderten Begründung an.

    Im Übrigen kann es durchaus sein, dass schon die bloße Anwesenheit eines Personalratsmitglieds für eine "entspanntere" Gesprächsatmosphäre sorgt.

    In solche Gespräche, noch dazu, wenn das Thema vorher nicht bekannt ist, ohne Beistand hineinzugehen, ist nach den von mir selbst im Lauf der Jahre gesammelten Erfahrungen keine gute Idee.

    "Willst du den Charakter eines Menschen erkennen, so gib ihm Macht." (Abraham Lincoln)

  • Ich bin ebenfalls Mitglied des ÖPR und habe das bei anderen Personalräten größerer Gerichte immer mal wieder mitbekommen, dass Kollegen eingeladen werden, ohne einen Gesprächsgrund zu nennen. Und ohne Verwaltungsbashing betreiben zu wollen frage ich mal hier nach:

    Gibt es seitens des Dienstherrn einen vernünftigen Grund, so zu verfahren?

  • Ich bin ebenfalls Mitglied des ÖPR und habe das bei anderen Personalräten größerer Gerichte immer mal wieder mitbekommen, dass Kollegen eingeladen werden, ohne einen Gesprächsgrund zu nennen. Und ohne Verwaltungsbashing betreiben zu wollen frage ich mal hier nach:

    Gibt es seitens des Dienstherrn einen vernünftigen Grund, so zu verfahren?

    Nein, ich wüsste keinen Grund, der das rechtfertigen würde. Es ist nichts vorgefallen, das mir bekannt wäre. Deswegen bereitet mir das auch Sorgen.

  • Anrufen und höflich nachfragen.

    Dabei anmerken, dass du dir Sorgen machst und - um dich besser vorzubereiten - gerne wissen würdest, was der Grund für das Gespräch ist.

    Es stand alles in Büchern, die Alten lebten noch
    Wir haben nicht gelesen, nicht gesprochen, weggeschaut, uns verkrochen ...
    No!

  • Ich bin ebenfalls Mitglied des ÖPR und habe das bei anderen Personalräten größerer Gerichte immer mal wieder mitbekommen, dass Kollegen eingeladen werden, ohne einen Gesprächsgrund zu nennen. Und ohne Verwaltungsbashing betreiben zu wollen frage ich mal hier nach:

    Gibt es seitens des Dienstherrn einen vernünftigen Grund, so zu verfahren?

    Nein, ich wüsste keinen Grund, der das rechtfertigen würde. Es ist nichts vorgefallen, das mir bekannt wäre. Deswegen bereitet mir das auch Sorgen.

    Mir ging es -vom vorliegenden Sachverhalt losgelöst- eher darum, dass das Nichtbenennen des Grundes anscheinend Usus ist.

  • Eigentlich soll das Jahresgespräch einfach ein etwa einmal im Jahr stattfindendes Gespräch über den Mitarbeiter, seinen Stand, seine Chancen und Bedürfnisse, Entwicklungsperspektiven und -wünsche und auch mögliche Probleme sein. Leider ist es im öffentlichen Dienst so, dass es tatsächlich eher durchgeführt wird, wenn man irgendwo Probleme hat. Wenn es gut läuft, fällt das Gespräch eher aus, weil der/die Vorgesetzte keine Zeit und der/die Mitarbeiter/in keine Lust hat.
    Ausnahme: Ein/e frisch gekürte/r Vorgesetzte, die streng nach gerade durchgeführter Führungsschulung mal alles richtig machen will und deswegen wirklich mit allen ein solches Gespräch führen will

    Daher ja: Eine Person des Vertrauens aus dem Personalrat mitbringen. Und vorher nochmal ganz offiziell nach dem Inhalt des Gesprächs fragen.

    Mit freundlichen Grüßen
    AndreasH

  • AndreasH:

    Jahresgespräch ≠ Personalgespräch. Für das Jahresgespräch gelten z.B. bei uns feste Vorgaben: Es findet mit dem direkten Vorgesetzten statt. Ferner muss eine standardisierte/vorgegebene Themenliste übersandt werden. Der Gesprächsinhalt gilt für beide Seiten als vertraulich. Das kann natürlich auch anders geregelt sein, hört sich für mich nach der Schilderung der Threadstarterin aber eher nach einer Einbestellung bei einem Ausbildungs- oder Personalverantwortlichen an.

    Von daher ebenfalls: Auf jeden Fall nachfragen, was der Gesprächsanlass ist. Vielleicht handelt es sich um eine kommunikativ misslungene Einladung zu einem Jahresgespräch, vielleicht steht irgendwas anderes dahinter.

  • Jahresgespräch ≠ Personalgespräch.

    So ist es. Ein Jahresgespräch bei einer Anwärterin ergibt auch wenig Sinn.

    Ich glaube auch eher, dass es Richtung Kritikgespräch geht. Daher unbedingt Vertrauensperson mitnehmen. Wenn "der Dienstherr" auch zu zweit ist, dann ist besondere Vorsicht geboten, da redet der eine und der andere dokumentiert, damit ggf. alles verwaltungsgerichtsfest ist.

  • Wenn "der Dienstherr" auch zu zweit ist, dann ist besondere Vorsicht geboten, da redet der eine und der andere dokumentiert, damit ggf. alles verwaltungsgerichtsfest ist.

    Außerdem können die beiden sich dann gut die Bälle zuspielen und/oder das perfide Spiel "guter Polizist - böser Polizist" betreiben. Ohne vorherige Kenntnis des Gesprächsthemas ist, wie hier bereits mehrfach ausgeführt wurde, besondere Vorsicht geboten.

    "Willst du den Charakter eines Menschen erkennen, so gib ihm Macht." (Abraham Lincoln)

  • Warum wird eigentlich immer gleich ein perfides Spiel und böse Absicht unterstellt?

    Vielleicht wird es ein konstruktives und für die TO hilfreiches Gespräch.

    Es stand alles in Büchern, die Alten lebten noch
    Wir haben nicht gelesen, nicht gesprochen, weggeschaut, uns verkrochen ...
    No!

  • Also wenn bei Gesprächseinladung schon der Hinweis kommt, es steht frei eine Vertrauensperson mitzunehmen, dann ist das wohl keine reine Plauderstunde.

    Ich war auch gelegentlich bei solchen Gesprächen zugegen, sowohl als Vertrauensperson des Personalrats wie auch als Chef. Ich unterstelle nichts perfides, aber eben ein Kritikgespräch mit eher unschönem Gesprächsinhalt. Auch ein solches kann konstruktiv sein, je nachdem wie es geführt wird und wie die betroffene Person damit umgeht. Aber mehr kann ich ohne Kenntnis des Sachverhalts auch nicht mutmaßen.

  • Warum wird eigentlich immer gleich ein perfides Spiel und böse Absicht unterstellt?

    Ich habe für den konkreten Fall gar nichts unterstellt, sondern mich darauf beschränkt, die möglichen Gefahren aufzuzeigen. Wie das Gespräch tatsächlich verlaufen wird, kann hier niemand seriös voraussagen.

    Meine Warnung zur Vorsicht beruht auf meiner eigenen, während mehrerer Jahrzehnte gesammelten Berufserfahrung.

    "Willst du den Charakter eines Menschen erkennen, so gib ihm Macht." (Abraham Lincoln)

  • Außerdem können die beiden sich dann gut die Bälle zuspielen und/oder das perfide Spiel "guter Polizist - böser Polizist" betreiben.

    Das ist nicht verboten?

    Also wenn bei Gesprächseinladung schon der Hinweis kommt, es steht frei eine Vertrauensperson mitzunehmen, dann ist das wohl keine reine Plauderstunde.

    Muss das nicht immer draufstehen?

    Ich war auch gelegentlich bei solchen Gesprächen zugegen, sowohl als Vertrauensperson des Personalrats wie auch als Chef.

    Ist das nicht eine Interessenkollision?

  • Ich war auch gelegentlich bei solchen Gesprächen zugegen, sowohl als Vertrauensperson des Personalrats wie auch als Chef.

    Ist das nicht eine Interessenkollision?

    Zur Klarstellung: Da war ein zeitlicher Versatz von ein paar Jahren zwischen meiner Personalratstätigkeit und zwischen meiner Tätigkeit in der Behördenleitung

  • Warum wird eigentlich immer gleich ein perfides Spiel und böse Absicht unterstellt?

    Vielleicht wird es ein konstruktives und für die TO hilfreiches Gespräch.

    Nach fast 41 Dienstjahren: Diese Gespräche sind nie nett gemeint. Mein Tipp: Personalratsmitglied mitnehmen, beim Gespräch jedes Wort auf die Goldwaage legen, nur sehr allgemeine Zusagen machen und nichts unterschreiben.

  • Warum wird eigentlich immer gleich ein perfides Spiel und böse Absicht unterstellt?

    Vielleicht wird es ein konstruktives und für die TO hilfreiches Gespräch.

    Nach fast 41 Dienstjahren: Diese Gespräche sind nie nett gemeint. Mein Tipp: Personalratsmitglied mitnehmen, beim Gespräch jedes Wort auf die Goldwaage legen, nur sehr allgemeine Zusagen machen und nichts unterschreiben.

    Ganz so viel Dienstjahre habe ich noch nicht, aber sicherlich ausreichend Erfahrungen (von beiden Seiten des Tischs) um dieser Aussage entschieden entgegenzutreten.

    Es wäre schön, wenn die TO berichten würde, wie es ausgegangen ist.

    Es stand alles in Büchern, die Alten lebten noch
    Wir haben nicht gelesen, nicht gesprochen, weggeschaut, uns verkrochen ...
    No!

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